Bezahlen mit Bitcoins – wie geht das praktisch?

Gasbeitrag geschrieben von A.Libi aus dem Coinforum(.de) vom 21.10.2015

Jetzt hast du dich so etwas in das Thema Bitcoins eingelesen und auch schon eine kleine Menge davon gekauft, aber wie geht es jetzt weiter? Gut, viele User wollen nur traden, also mit Bitcoins z.B. ihr Eurovermögen über diverse Börsen vermehren. Dennoch ist Bitcoin vom Grunde her eine Währung, also man kann und soll sie also auch benutzen. Ich möchte jetzt ein paar grundlegende Möglichkeiten darstellen, wie man Bitcoins praktisch nutzen kann – um damit Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen bzw. zu beziehen.

Als Beispiel soll jetzt immer wieder der Kauf eines Fahrrades für 1BTC/200Euro (Stand Oktober 2015) genommen werden.

1. Direktkauf bei einem Bekannten.

Ich will also dieses Fahrrad von einem guten vertrauten Bekannten kaufen. Der Handel wird perfekt gemacht, der Verkäufer gibt mir einen Zettel mit einer sogenannten Bitcoin-Adresse (Public Key). Die sieht so aus:

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Ich ziehe mit meinem Fahrrad los mit den Worten „den Bitcoin schicke ich dir heute Abend.“ Bis jetzt habe ich noch keine Technik gebraucht. Zuhause dann setze ich mich vor meinen internetfähigen Computer, auf dem sich auch ein BitcoinClient (Wallet) befindet. In diesem Wallet wähle ich senden. Es öffnet sich dann ein Fenster, wo ich diese kryptische Adresse eingeben kann. In diesem Fall leider per Hand vom Zettel.

Aber aufpassen: Es gibt bei Bitcoin-Transaktionen kein Zurück. Einmal gesendet, ist das Geld weg bzw. auf dem weg. Ein Tippfehler und im übelsten Fall ist das Geld für immer verschwunden.

Also Adresse stimmt – dreimal nachgeprüft – senden. Jetzt erscheint eine Meldung sende Bitcoins. Der Sendevorgang ist jetzt in Arbeit. Sollte der Verkäufer mit seinem Wallet auch grade online sein, bekommt er die Meldung – empfange Bitcoins – . Sobald jetzt diese ausstehende Transaktion im aktuellen Block der Blockchain aufgenommen wurde, ändert sich der Status auf Bitcoins gesendet (0). Die 0 sagt jetzt aus, dass es für die Transaktion noch keine Netzbestätigung gibt. Diese folgen dann normalerweise im 10 Minütigen Abstand. Folglich hätte ich nach etwa einer Stunde sechs Bestätigungen (6). Das ist nicht immer gleich, aber so im Durchschnitt passt das.

Beim Verkäufer liest sich das dann genauso. Erst empfange Bitcoin, dann Bitcoin empfangen (0), danach dann wird die Transaktion mit den Bestätigungen angezeigt. Diese Bestätigungen laufen immer weiter, also nach einigen Wochen steht dann eine mehrstellige Zahl da, das ist normal z.B. (1589).

Soweit der Handel mit einem vertrauenswürdigen Bekannten.

2. Direktkauf von einem Unbekannten

Gleiche Situation, ich will ein Fahrrad z.B. auf dem Flohmarkt kaufen, hab keine Euros dabei, aber der Verkäufer nimmt auch Bitcoin.

Der lässt mich natürlich nicht einfach mit Fahrrad davonfahren, der will sein Geld sofort.

Jetzt brauchen wir schon etwas mehr Technik. Jeder von uns braucht jetzt ein Smartphone oder Tablet mit Bitcoin-Wallet und Internetzugang. Die meisten Smartphones können tethern, also ihren Internet-Zugang auch anderen Geräten zur Verfügung stellen. Daher würde es reichen, wenn nur eines der Geräte im Internet wäre. Eine andere Frage wäre jetzt, ob ich bereit wäre, auf einem fremden Gerät mit durchs Internet zu surfen – anderes Thema.

Also wieder zum Fahrrad. Jeder von uns öffnet sein BTC-Wallet. Der Verkäufer wählt seine Adresse aus (der kann ja mehrere haben), tippt auf empfangen und QR-code. Jetzt zeigt sein Smartphone einen typischen QR-Code mit der Adresse des Verkäufers. Das kann ich zwar nicht lesen oder erkennen, aber mein Smartphone kann das. Sobald ich bei meinem Wallet auf -senden- gehe, werde ich gefragt, wo denn die Adresse herkommen soll. Ich könnte jetzt wieder eintippen, aus einer anderen Anwendung (Email oder Messengernachricht) kopieren, oder eben diesen QR-Code scannen. Das tue ich auch. Es macht piep, danach geht es weiter wie oben beschrieben, sende bitcoin, bitcoin gesendet, Anzahl der Bestätigungen.

Das mit dem Senden dauert meist nur wenige Sekunden bis zwei Minuten. Länger dauert dann schon das Warten auf die Bestätigungen. Von der Technik her kann man sagen, das eine gesendete Transaktion eigentlich gelaufen ist. Will man sicher sein, dass diese Transaktion auch in der Blockchain steht, wartet man eben eine Bestätigung ab. Mit jeder weiteren Bestätigung wird diese Transaktion sicherer. Wie sicher man sein will, ist eine Glaubensfrage. Bei einem Betrag von unter 10 Euros würde ich nicht wirklich auf eine Netzwerkbestätigung warten wollen, beim Kauf über 10 Bitcoins würde ich mir jedoch wirklich eine halbe Stunde Zeit nehmen und die Bestätigungen abwarten. Das muss aber jeder für sich entscheiden, wie lange er auf die Bestätigungen warten will.

Bei dem besagten Fahrrad würde ich jetzt nach einer Bestätigung (1) den Deal als gelaufen ansehen und mit dem Fahrrad losfahren wollen – meine ganz persönliche Einschätzung.

Statt den QR-Code zu scannen, könnte ich den Verkäufer natürlich auch bitten, mir seine Bitcoinadresse via E-Mmail oder SMS zu schicken – geht auch. Aber diese QR-Geschichte macht das alles natürlich deutlich leichter.

3. Direktkauf im Laden

Ich gehe jetzt in einen guten Second Hand Laden, sehe da das Fahrrad und will es haben. Der Verkäufer nimmt natürlich und ganz selbstverständlich Bitcoin als Zahlungsmittel, sonst würde das jetzt nicht zu Thema passen.

Ich schieb das Fahrrad zu Kasse, der Verkäufer öffnet sein BTC-Wallet. Das wird er wohl auf dem Laden-Computer haben. Den QR-Code kann er jetzt eigentlich auf jedem beliebigen Display anzeigen lassen, sei es der Bildschirm des Rechners selbst, ein angebundenes Tablet oder sogar auch ein großer Flachbildschirm an der Wand. Scannen, senden, warten, fertig. Auch denkbar ist hier, dass der Verkäufer seine eine BTC-Adresse als QR-Code ausgedruckt und ein laminiert irgendwo hin geklebt hat, das geht natürlich auch.

Wie so ein Ladenbesitzer die BTC-Akzeptanz in seinen Betrieb integriert ist ein ganz anderes Thema; auch dazu gibt’s ein Tutorial. Das interessiert mich als Kunden jetzt nicht weiter; ich hab meinen QR-Code, den Betrag gesendet und warte jetzt nur noch auf das wohlwollende Nicken, damit ich mit dem Fahrrad aus dem Laden kann.

4. Kauf im Online-Shop

Diese Variante ist bis jetzt wohl die häufigste Art Bitcoin beim Kauf zu verwenden. Dabei brauche ich mich als Kunde eigentlich um nichts zu kümmern.

Bestellen, Warenkorb, Lieferanschrift, zur Kasse gehen… soweit kennen wir das von fast allen Online-Shops. Bei der Auswahl der Zahlungsarten wähle ich jetzt Bitcoin, meist gibt es ein Bitcoin Accepted-Logo.

Jetzt wird mir meist beides angezeigt, ein QR-Code und diese kryptische Adresse im Klartext. Ich kann mir also in diesem Moment aussuchen, ob ich mit meinem Handywallet den Code scannen will, oder ob ich mit meinem PC-Wallet arbeiten will. Dabei würde ich die Klartext-Adresse markieren und in mein Wallet-Programm kopieren. Vielleicht speichere ich mir die Adresse auch in dem Adressbuch des Wallet’s, falls ich in diesem Shop öfter was bestelle.

Üblicherweise erhalte ich danach eine Bestätigungs-Email (hat jetzt nichts mit den Netzbestätigungen zu tun), was ich bestellt habe und dass ich es mit Bitcoin bezahlt habe u.s.w.

Habe ich bei einem Händler ein Kundenkonto, kann es jedoch sein, dass mein gesendeter Betrag (noch) nicht angezeigt wird. Bei Crypto-Börsen ist dies oft der Fall. Da wird der erhaltene Betrag wirklich erst nach einer festgelegten Anzahl von Bestätigungen angezeigt. Das steht aber dann auch meist dabei (deposit will be shown after 3 network confirmations) – muss ja englisch sein, sonst glaubt’s keiner.

5. Online Direktkauf

Diese Variante funktioniert eigentlich nur bei sogenannten digitalen Gütern, also Dingen, die man nicht mit der Post verschicken muss. Das können Programmierdienstleistungen, PDF-Publikationen, Computerspiele oder auch Software sein. Nehmen wir das Beispiel eines Handy-Games. Im Forum finde ich die Beschreibung eines coolen Spieles. Ich wende mich an den Programmierer und stelle fest, der ist Vietnamese und würde dieses Spiel für 4 US-Dollar an mich verkaufen. Jetzt stell dir vor, du würdest jetzt mit deiner Hausbank versuchen, diesem Menschen aus Deutschland 4 US-Dollar nach Vietnam zu schicken! Ich wette, das wird ein echter Spaß.

Mit Bitcoins ist das ganz einfach.

Ich schicke dem Programmierer eine E-Mail und frage ihn nach seiner BTC-Adresse. Je nach dem kriege ich einen Text mit der Adresse im Klartext und oder auch den QR-Code als Grafikdatei. Jetzt öffne ich mein BTC-Wallet, scanne oder kopiere diese Adresse ins Sendefenster und kann dann den Betrag eingeben. Viele Wallet’s können mit mehreren gängigen Währungen umgehen. Ich kann als Währung sowohl EUR, als auch USD oder sogar YEN eingeben. Jetzt kann ich nach Einstellung von USD diesen Betrag von 4.00 (USD) eingeben und das Wallet rechnet das automatisch nach dem aktuellen Börsenkurs (der Börse meiner Einstellung) in den passenden BTC-Betrag um. Senden, warten, fertig. Nach maximal einer halben Stunde sollte dann auch schon die E-Mail von dem Vietnamesen da sein. Thank you for your payment, this is the link for downloading your game – have fun. Mit dem link oder Code kann ich dann das Game runterladen und sofort spielen.

Ein Einkauf in Vietnam in wenigen Minuten.

Ganz nebenbei lassen sich mit BTC auch Vertrauensprobleme lösen. Wenn ich am Wochenende das besagte Fahrrad kaufen will und dem Verkäufer eine sofortige Überweisung verspreche, hat der das Geld am Montag ab 8 – mit Glück, aber nur wenn es die gleiche Bank ist. Bei einer BTC-Zahlung hat er das Geld nach 10 Minuten verfügbar. Ich kauf am Sonntag mal eben schnell ein Fahrrad, der Verkäufer kauft sich von diesem Erlös sofort eine Software in Vietnam, jeder hat fast sofort sein Geld und kann das Gekaufte auch sofort nutzen. Und so schließt sich der Kreis.

Soweit hier das Einstiegstutorial zum Thema Einkaufen mit Bitcoins

Dein A. Libi